Julien vs. Bild

„Kein Herz für Annika“ – „Julien vs. Bild #5“

Zusammenfassung: Julien echauffiert sich über einen Artikel, der ein „Herz-Schmerz-Thema“ behandelt, nämlich den Tod der 19-jährigen Annika. Er findet, „dass der gesamte Text Bullshit“ ist. Die Bild „drückt“ also „wieder auf die Tränendrüse„, denn „anscheinend“ behauptet sie,  „dass die Ärzte schuld sind, weil sie Annika nicht auf die Spenderliste setzen wollten„, dabei wäre Annika aus Julien „sowieso verreckt“ beziehungsweise „sowieso abgenippelt„. „Eine 45 jährige Hausfrau, die in ihrem Leben noch nie etwas gerissen hat außer ein behindertes Kind zur Welt bringen„, erdreistet sich dann auch noch „rechtliche Schritte zu erwägen“ (Bild-Zitat), bzw. „eine Klage einzureichen„,  „den Ärzten die Schuld“ zu „geben“ und „Fotos vor dem Grabstein“ zu „machen“ bzw. „vor dem Grabstein“ zu „posieren„.  Julien findet, die Mutter hat ihre „ihre unqualifizierte Fresse zu halten„, schliesslich wollten  „die Ärzte […] sie ja nichtmal auf die Liste schreiben„, „also war es völlig unerheblich wieviele Organe zur Verfügung standen, sie hätte trotzdem keins bekommen, selbst wenn es Organe regnen würde.

Fazit: Julien liegt falsch, denn hätten wir einen Überfluss an Organen, sodass es sozusagen „Organe regnen würde„, dann könnten Ärzte auch jene Menschen wie Annika operieren, die über eine geringe Überlebenschance verfügen. Die Entscheidung läge dann beim Patienten und der Familie und nicht mehr ausschliesslich im medizinischen Urteil, welches zwar immer noch wichtig wäre, aber aufgrund des Organüberschusses nur noch beratend zur Seite stünde. Jeder Arzt würde auch jede noch so kleine Chance nutzen wollen, wären mehr als genug Organe vorhanden, schliesslich richten sie sich moralisch an dem hippokratischen Eid. Daher ist es sowohl von der Bild als auch von der Mutter völlig legitim, die Frage zu stellen, warum Annika kein Spendeorgan erhielt. Und Bild macht ausnahmsweise sogar etwas richtig und verweist auf den Mangel an Organen, deshalb ist der „gesamte“ Artikel eben nicht „hinfällig„. Julien unterstellt Bild und der Mutter verschiedenste Sachen, niemand sagt, dass die Ärzte „verantwortungslose Arschlöcher“ wären oder sie hätten soetwas wie „Hey, wir könnten Deine Tochter retten machen wir aber nicht“ gesagt. Insofern betreibt Julien unsachliche Hetze gegen Bild und ich hätte nie gedacht, dass ich dieses Schmierblatt mal in Schutz nehmen würde.

Die Mutter hat ihre Tochter geliebt, hat sich aufopferungsvoll um sie gekümmert und sie verlangt Gerechtigkeit. Jede Mutter würde das verlangen und einige von ihnen würden auch die Medien suchen, wenn sie darin einen Sinn erkennen können, z.B. um für Organspende mit ihrem Schicksal zu werben, was hier geschehen ist. Julien beschimpft sie stattdessen auf das Übelste indem er die Geburt ihres Kindes in einem verurteilenden Ton erwähnt. Es klingt dadurch so als sei für ihn ein behindertes Kind nichts wert und es wäre keine herausragende Leistung es zu erziehen, zu schützen und retten zu wollen. Dieser Eindruck verstärkt sich indem er beim Aussprechen des Wortes behindert zwei Mal lacht, so als sei das Leid des Kindes bzw. des Teenagers eine lustige Angelegenheit.  Damit entspricht er mal wieder der Geisteshaltung der Nazis, die Euthanasie betrieben haben. Schon erstaunlich wie wenig sich von seinen einstigen Hateblog-Aussagen verändert hat.  Immerhin plädiert er für den Organspendeausweis, aber das machen die vorhergehenden Falschaussagen nicht zunichte. Die Mutter sollte sich wohl auch bezüglich seiner Aussagen mit einem Anwalt treffen.

Satire oder Ernst? Wie so häufig steckt eine Ambivalenz in diesem Julienbeitrag. Einerseits lacht er ein totes behindertes Mädchen aus, beschimpft eine Mutter, die immer zu ihr hielt und das auch über den Tod hinaus tut, – was er uns allen wohl als Satire oder schwarzen Humor verkaufen will. Andererseits plädiert er am Ende ganz ohne Ironie für den Organspendeausweis, sodass sich einige Zuschauer auf Youtube bereits ein wenig verwirrt fragten, ob Julien jetzt doch eine „Seele“ hätte.  Wahrscheinlich ist es diesmal beides. Wobei die Satire wie üblich nur stumpfsinnige Provokation ist und lediglich aus Beschimpfungen, Unterstellungen und gefährlichen Halbwissen besteht.

Gesamter Text des Videos:

[Er zitiert aus der Bild] „Die Bild drückt wieder auf die Tränendrüse, das wollen wir uns doch nicht entgehen lassen. Annika (19) starb, weil Ärzte sie nicht auf die Warteliste setzten. ‚Warum bekam meine Tochter kein Spender-Herz?‘ Immer diese gemeinen Ärzte, deren Beruf es ist, täglich Leben zu retten, man was sind das nur für verantwortungslose Arschlöcher?! Anscheinend findet die Bild, dass die Ärzte schuld sind, weil sie Annika nicht auf die Spenderliste setzen wollten. Warum sie das nicht machen wollten, ist natürlich nebensächlich. [Er zitiert aus der Bild]’Annika R. war seit ihrer Geburt behindert [Julien lacht beim Aussprechen des Wortes behindert]. Susanne trauert am Grab ihrer Tochter, die sie bis zu ihrem qualvollen Tod begleitete und pflegte.‘ Hm, könnte ihre Behinderung vielleicht etwas mit möglichen Komplikationen bei einer Herztransplantation zutun haben, die das Risiko womöglich potentiell steigern würden?  Aber cool finde ich wieder das Posieren vor dem Grabstein. Das scheint bei der Bild ja voll in Mode zu sein. Das ist auch das erste was ich machen würde, wenn von meiner Familie einer krepiert: Den Ärzten die Schuld geben, eine Klage einreichen und Fotos vor dem Grabstein machen. Beste.

[Er zitiert aus der Bild] ‚Eine Mutter am Grab ihrer Tochter sie wurde nur 19 Jahre alt. Die Worte eines Mediziner wird sie nie vergessen: Ihre Tochter kann nur mit einem Spendeorgan überleben. Aber das wird sie nicht bekommen! Acht Wochen später war das Mädchen tot. ‚ In dem Artikel klingt das so: Hey, wir könnten Deine Tochter retten machen wir aber nicht! NäNänäNänä! Ich glaube nicht, dass es so gewesen ist. Und sind 8 Wochen nicht immer noch besser als gar nichts, wenn die Operation schief gehen sollte? [Er zitiert aus der Bild] ‚Das seit der Geburt behinderte Mädchen [Julien lacht beim Aussprechen des Wortes behindert] starb am 14. April nach einem erschütternden Todeskampf. Ärzte wollten ihr keine Chance mehr geben. Das nehme ich nicht hin, sagte die Mutter. Sie erwägt rechtliche Schritte. ‚

Wenn ein studierter Mediziner jemand für ungeeignet hält, einen riskanten Eingriff zu überleben, dann schätze ich einfach mal, dass eine 45 jährige Hausfrau, die in ihrem Leben noch nie etwas gerissen hat außer ein behindertes Kind zur Welt bringen, entweder schnell Medizin studiert sollte oder ihre unqualifizierte Fresse zu halten hat. Sie wird jeden Prozess verlieren und das völlig zu Recht. Die Entscheidung der Ärzte ist absolut legitim, wenn sie aus medizinischen Gesichtspunkten getroffen wurde. Wenn Annika ihre Chance bekommen hätte und dann sowieso abgenippelt wäre, dann hätte sie sich jemand anderen mit einer höheren Überlebenschance einfach das Herz weggenommen. Dann kann man das Herz auch gleich in den Mixer schmeissen können, bisschen Wodka dazu und einen Bloody Mary saufen, yeah.

Wozu 8 Stunden OP wenn jemand das Herz bekommen sollte, der sowieso nicht überlebt. [Er zitiert aus der Bild] ‚Dabei wurde ihre Tochter auch ein Opfer der Gesellschaft: Menschen sind nicht bereit, ausreichend Organe zu spenden. ‚ Das ist schlicht und ergreifend falsch, jedenfalls in diesem Zusammenhang. Es gibt zu wenig Organspender, völlig korrekt, aber das hat mit dem Mädchen mal überhaupt nichts zutun. Die Ärzte wollten sie ja nichtmal auf die Liste schreiben, also war es völlig unerheblich wieviele Organe zur Verfügung standen, sie hätte trotzdem keins bekommen, selbst wenn es Organe regnen würde. Wenn sie sie auf die Liste geschrieben hätten, und sie hätte kein Organ bekommen, dann hätte es an fehlenden Spendern gelegen. Aber sie war einfach nicht geeignet für eine Transplantation und wäre sowieso verreckt. Aber das es zu wenig Organspender gibt ist eine Tatsache, die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. [Zitat des Plädoyers für Organspende entfällt, weil man das so stehen lassen kann, Gratulation]

Aber zurück zu dem Artikel: [Er zitiert aus der Bild] ‚Auf die Warteliste kam das schmächtige Mädchen (33 Kilo) nicht.‘ 33 Kilo also entweder sie war nichtmal 1,50 groß oder war extrem unterernährt und hätte nichtmal eine Blinddarmop überlebt. Aber hauptsache die Bild hat wieder ein Herz-Schmerz-Thema, welches keines ist. Ich finde den Aufbau dieses Artikels besonders gut. Man erfährt in einem klitzekleinen Satz ganz am Ende, dass der gesamte Text Bullshit war. [Er zitiert aus der Bild] ‚Laut der Ärzte war ihre Überlebenschance zu gering.‘ Na endlich kommt die Begründung, die alles rechtfertigt und den gesamten Artikel hinfällig macht. Natürlich schreibt die Bild aber nicht wie gering die Überlebenschance war. Wahrscheinlich lag sie bei 5 Prozent oder sowas. Aber das ist ja nur ein unbedeutendes Detail.

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7 Kommentare zu “„Kein Herz für Annika“ – „Julien vs. Bild #5“

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