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Scheißegal – JuliensBlog: Von nichts eine Ahnung und stolz darauf

Zusammenfassung: Julien sind „hungernde Kinder in Afrika scheissegal„, deswegen ist er kein „Unmensch„, was auch „in Ordnung“ sei, wir sollen dies nun auch endlich „zugeben„, um keine „Heuchler“ mehr zu sein. Obwohl „jeder (!) […] im Supermarkt 2-3 Cent Wechselglas in dieses scheiß Spendenglas“ gibt, was immerhin am Ende wirklich Hungernden zukommt, und „wir“ Empathievermögen zeigen wenn „wir“ uns „schlecht“ und „betroffen“ fühlen, wenn „wir“ das Elend der Hungernden zu Gesicht bekommen sind „wir“ bis auf die Knochen „egoistisch„. Das menschliche Wesen wollten schon viele bestimmen, dabei ist nur eines sicher: Es ändert sich ständig. Wie dem auch sei, selbst diese einseitige Verurteilung der Menschheit reicht Julien nicht, „wir“ sind darüberhinaus „Arschlöcher, die Glück haben in der ersten Welt zu leben.“ Wodurch dieses Glück zustande kommt scheint Julien nicht zu interessieren, vielmehr ergiesst er sich in einer Klage über die offenbar ausschliesslich trivialen Lebensprobleme, die wir angeblich mit uns herumschleppen: „Handyrechnungen„, das Fernsehprogramm oder „Klopapier“ sind „unsere Sorgen„. Julien weiss also ganz genau was den modernen Westeuropäer im Innersten plagt, schliesslich geht dieser Westeuropäer bei seinen regelmäßigen Protesten fürKlopapierauf die Strasse und zieht sich nicht für bessere Lebensbedingungen schwere Verletzungen zu. Wer hat es nicht satt jeden Tag gegen die „Klopapier„-Knappheit anzugehen?!

Ja, Julien spricht uns wahrlich aus dem Herzen! Beinahe kommt uns unsere „erste Welt“ wie eine Hölle vor, wäre da nicht die „dritte Welt„, die uns klarmacht, dass wir „Glück hatten“ und „die Anderen halt nicht„. Ja, wie kommt dieser Glückszustand nochmal zustande? Ach, sagt er wieder nicht! Offenbar ist das Fernsehprogramm doch nicht so belastend, denn nun kümmert uns die Hungersnot in Afrika nicht, weil sie „uns nicht betrifft„, denn sie „ist nicht unser scheiß Problem„, einen Beleg hierfür liefert er nicht, wozu auch! Was könnten Rechnungen in Europa und Hunger in Afrika in einer globalisierten Ökonomie schon miteinander zutun haben?! Und überhaupt, diese „Afrikakinder“ wären auch „Arschlöcher„, wenn sie in unserer Lage wären! Nennt man Sozialisation, Julien, aber davon hast Du wohl noch nichts gehört.  „Klar,“ seufzt Julien in sein Profimikro, „ist es in vielen Teilen der Welt alles scheisse„, warum noch gleich(?), „und es wäre schön, wenn es jedem auf der Welt gut gehen würde, aber das ist nunmal utopisch„, aber warum ist das utopisch? Vielleicht wegen Typen wie Dir, die sich nicht mit Ökonomie und Politik beschäftigten bevor sie ein Urteil fällen? Übrigens könnte man bereits bei der jetzigen Lebensmittelproduktion 12 Milliarden Menschen ernähren, also hungern ca. 1 Milliarde Menschen völlig sinnlos.

Da erscheint es nur konsequent, dass Julien mit seiner Ahnungslosigkeit um wirtschaftliche und politische Zusammenhänge politische Ambitionen hegt: „Wählt Julien für ein egoistisches Deutschland.“ So als wäre Deutschland nicht bereits egoistisch, z.b. mithilfe eines eigennützigen Staates, der die Interessen Deutschlands europa- und weltweit vertritt. „Wir geben den Griechen keine Milliarden, wenn wir selber 2 Billionen Euro Schulden haben.“ Blöd nur, dass die Griechen diese Milliarden nicht geschenkt bekommen, sondern mit saftigen Zinsen zurückzahlen müssen und „wir“ oder besser gesagt die deutschen Banken ein riesiges, profitables Geschäft gemacht haben. Aber was interessiert das Julien: „Wir kümmern uns nur um uns selbst, weil wir im besten Land der Welt wohnen. Alle anderen sind uns scheißegal.“  Das passiert doch bereits?! Aber das Warum scheint Julien in seiner „Satire“ wohl nicht zu interessieren. Er fährt fort: „Deutschland geht es gemessen an vielen anderen Ländern natürlich ziemlich gut, aber im Rahmen unserer Möglichkeiten geht es uns beschissen, weil wir andauernd an irgendwelche anderen Spacken denken und Almosen verteilen, die sowieso nichts bewirken.“ Was tun? In Polen und Frankreich einmarschieren, gegen letztere hast Du sowieso was, und uns nehmen, was uns gehört? Dann geht es uns bestimmt „im Rahmen unserer Möglichkeiten“ besser. Das wäre in der Tat noch egoistischer als die bisherige Außenpolitik nach dem 2. Weltkrieg. „Aus der dritten Welt wird niemals die erste Welt.“ Zum hundertsten Mal: Warum?

Fazit: Bei Julien sind alle Menschen der „Scheinheiligkeit“ verfallen, wenn sie nicht nach Afrika fliegen, ein Kind nach Deutschland bringen und es glücklich machen. Er vergisst oder hat es nie gewusst, dass das nur deshalb nicht gemacht wird, weil wir hierzulande mehr Sorgen haben als Klopapier, Fernsehprogramme und Handyrechnungen, schliesslich müssen wir in der Schule und in der Arbeit maximale Leistungen abrufen, damit wir genug Geld verdienen können, um dieses Glück zu geniessen, welches Julien nicht näher beschreibt. Er begreift nicht, dass der Egoismus aus politischen und wirtschaftlichen Gründen in allen gesellschaftlichen Bereichen forciert wird. Wer sich nicht egoistisch verhält, also im Sinne seiner Noten und seiner Karriere handelt, verliert Geld und Lebensqualität. Selbst jene Menschen die besonders auf Empathie usw. Wer tlegen, den Afrikanern usw. wirklich helfen wollen, können das nicht, weil es ihnen an Geld, Macht usw. mangelt. Julien unterstellt den Menschen ein bestimmtes Wesen anstatt sich die Verhältnisse anzusehen, die bestimmte egoistische Verhaltensweisen begünstigen. Er glaubt wie ein Christ an die Göttlichkeit, dass diese Verhältnisse wie Naturgewalten eingetreten und Veränderungen per se „utopisch“ seien, dabei wurden sie ursprünglich von Menschen geschaffen (Adam Smith und Co.), die seine Vorurteile über das Wesen des Menschen teilten.

Zusammenhang von Reichtum in Europa und Armut in Afrika: Afrika wird seit Generationen durch reiche Nationen ausgebeutet und unterjocht. Unsere Nationen sind es, die von den Rohstoffen aus Afrika profitieren, – nicht die Bevölkerung in Afrika. Julien kann behaupten, dass dies das Problem der Afrikaner ist, aber zu einem Verbrechen gehören immer zwei: Opfer und Täter. Wir sind die Täter, weil wir unsere europäischen Regierungen nicht kontrollieren, weil wir uns nicht für eine humanere Ökonomie und Politik einsetzen. Dieser Einsatz kommt u.a. nicht zustande, weil Julien für Egalität plädiert, sogar noch stolz darauf ist. Abgesehen davon werden Reiche immer reicher, während Arme immer ärmer werden, weil es bestimmte globale Eigentumsverhältnisse gibt, die von den Afrikanern nicht überwunden werden können, sondern nur von der Bevölkerung, die solche Reichtümer beherbergt. Desweiteren findet der Ausschluss von den Reichtümern weltweit über das Geld statt. Das Überleben hängt weltweit von der Ware Arbeitskraft ab, nur wer arbeitet hat überhaupt eine Chance auf den Gelderwerb. In Afrika fehlt es an Infrastruktur und Arbeitgebern, weil Afrika seit Generationen unterjocht wird und wurde. Näheres schildert die Broschüre der Gegenstandpunkt Redaktion.

Satire oder Ernst? Das vorliegende Video ist eines der Paradebeispiele für die Behauptung, dass Julien nur deshalb provoziert um auf eine bestimmte Thematik aufmerksam zu machen. Allerdings hat er in fast allen angeführten Punkten unrecht. Weder sind Europäern Hungernde wirklich egal, sie sind lediglich außenvor, weil das eigene Überleben so hart ist, bestehen unsere Probleme in Handyrechnungen, noch ist es utopisch alle Menschen vor dem Hunger zu schützen, weil genug Nahrungsmittel hierfür vorhanden sind oder werden Milliarden an Griechenland verschenkt. Sein Plädoyer für ein egoistischeres Deutschland könnte man als nationalistisch interpretieren, was nicht zum ersten Mal der Fall ist. Neben den inhaltlichen Mängeln fällt es dem Zuschauer schwer über seine eigene Position nachzudenken, denn Julien plädiert ja dafür, dass man darauf stolz sein soll, egoistisch zu sein und Gleichgültigkeit gegenüber Hungernden zu praktizieren, weil sich sowieso nie etwas daran verändern wird. Die Thematik des Hungers wird in den Massenmedien regelmäßig aufgegriffen, es bräuchte keinen Julien, der dies mit dieser unsachlichen, kontraproduktiven Methode angeht. Insofern nutzt nur ihm dieses Video, weil er mehr als 1 Mio. Klicks generiert hat.  Wenn das eine Satire ist, dann eine die zur Realsatire abdriftet. Die Kommentare unter dem Video zeigen auch, dass die Zuschauer sich lediglich in ihren Voruteilen bestätigt fühlen.

Gesamter Text des Videos:

Viele waren empört, dass ich gesagt habe, das mir hungernde Kinder in Afrika scheissegal sind. Bin ich jetzt ein Unmensch? Nein, das bin ich nicht! Ich bin nur kein Heuchler, denn wenn ihr ehrlich zu Euch selber seid, dann geht es Euch genauso am Arsch vorbei wie mir. Ihr wollt es nur nicht zugeben!

Jeder gibt im Supermarkt 2-3 Cent Wechselgeld in dieses scheiß Spendenglas, aber nur weil uns 2-3 Cent ebenfalls scheißegal sind und wir uns dann für den Bruchteil einer Sekunde einreden können, dass wir einen Fick geben. Die Wahrheit ist, dass selbst wenn wir die Taschen voller Ficks hätten, würden wir trotzdem keinen Fick geben, weil wir egoistisch sind.

Wir sind alle ganz betroffen, wenn wir im Kino vor dem Hauptfilm irgendwelche Spendenorganisationsfilme gucken, dann fühlen wir uns 1 Minute schlecht und dann kommt der nächste Trailer von Fluch der Karibik Teil 38 oder irgendein anderer Bullshit und alles ist vergessen.

Wir sind Arschlöcher, die Glück haben in der ersten Welt zu leben. Unsere Sorgen sind Handyrechnungen, was Abends in der Glotze läuft oder, dass das Klopapier alle ist. Wir hatten Glück und die Anderen halt nicht.

Was soll dieses Herumgelaber? Es kümmert uns nicht, weil es uns nicht betrifft. Und wenn eines dieser Afrikakinder in Deutschland geboren wäre, würde es genauso keinen Fick auf uns geben, wenn wir in Afrika an Aids krepieren würden.

2-3 Cent spenden weil wir sie gerade übrige haben oder ein bisschen mitleidig gucken, wenn wir eine Doku oder irgendetwas anderes gucken, bei denen es anderen schlechter geht als uns, macht uns nicht weniger zu Arschlöchern, die nur an sich denken.

Klar, ist es in vielen Teilen der Welt alles scheisse und es wäre schön, wenn es jedem auf der Welt gut gehen würde, aber das ist nunmal utopisch. Außerdem ist es nicht unser scheiß Problem.

Wenn ich Politiker wäre, wäre mein Slogan: Wählt Julien für ein egoistisches Deutschland. Wir geben den Griechen keine Milliarden, wenn wir selber 2 Billionen Euro Schulden haben. Wir kümmern uns nur um uns selbst, weil wir im besten Land der Welt wohnen. Alle anderen sind uns scheißegal.

Deutschland geht es gemessen an vielen anderen Ländern natürlich ziemlich gut, aber im Rahmen unserer Möglichkeiten geht es uns beschissen, weil wir andauernd an irgendwelche anderen Spacken denken und Almosen verteilen, die sowieso nichts bewirken.

Aus der dritten Welt wird niemals die erste Welt. Warum soll man für sowas das Geld verbrennen?

Die Leute da unten haben es nie anders gekannt und dann kommen da irgendwelche heiligen Samariterwichser an und geben ihnen Hoffnung. Mich kotzt diese Scheinheiligkeit an, wenn es Euch nicht scheißegal ist, dann fliegt doch darunter in den Dreck und nehmt ein Kind mit, und ermöglicht ihm ein schöneres Leben hier in Deutschland oder was weiß ich. Kein einziger von Euch würde das machen und das ist auch in Ordnung: Gebt einfach zu, dass es Euch scheißegal ist oder lebt in Eurer Seifenblase weiter und tut so als würdet ihr Euch für jemand anderen interessieren als Euch selbst.

Es ist mir scheißegal und ich steh dazu, was ist mit Euch?

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6 Kommentare zu “Scheißegal – JuliensBlog: Von nichts eine Ahnung und stolz darauf

  1. Pingback: Juliensblog – Penis Politik: Ahnungslos an die Wahlurne | Julienswatchblog

  2. Der gesamte Text des Videos (ohne jetzt das Video geguckt zu haben) hört sich ein wenig nach einer Reder der NPD an.

    Was der Gute Mann auch nicht bedenkt: Wenn 80 Mio Leute (ca. die bevölkerung Deutschlands) 2-3 Cent spenden würden, wären das 1600000€ bis 2400000 €. Wenn man dann annimmt, dass die meisten 1x die Woche Einkaufen gehen und pro Einkauf 2-3 Cent spenden würde, kommen wir im Jahr auf 83200000€ bis 124800000€ nur in Deutschland – jetzt überleg, wieviel das wird, wenn man z.b. mal die USA mit ~300 Mio Einwohner dazu nimmt und Frankreich und Italein und Holland und Österreich…..Und das Geld wird laut Julien nichts bewirken und wir können es auch gleich sein lassen?

    Arghhhhh…

  3. Pingback: Juliensblog vs. RTL: Mordaufruf für die Menschlichkeit | Julienswatchblog

  4. super, die hauptaussage des videos ist nicht verstanden worden, bzw wird nicht näher darauf eingegangen, stattdessen werden kleinigkeiten analysiert, die mit der eigentlichen intension rein gar nicht zu tun haben: wir menschen in deutschland kümmern uns einen dreck um die menschen in afrika, und die von dir genannten komplexen zusammenhänge von handy-rechnungen und problemen der dritten welt sind den menschen ebenfalls vollkommen egal, daher unnötig zu erwähnen, da für intension nicht wichtig. julien bemüht sich in diesem video ein feindild zu erschaffen: einen egoistischen, anscheinend menschenverachtenden menschen, der sich nicht für seine mitmenschen interessiert. sollte man also satiere nicht verstehen und so auch nicht verstehen, dass er so auf ein gesellschaftlich hochinteressantes thema aufmerksam macht und kritik an unser egoistischen gesellschaft ausübt, entwickelt man einen gewissen hass auf dieses feindbild, in diesem falle julien. nun versuchen menschen, die julien, und alle seine, anscheinend verstretenden, werte, nämlich menschenverachtung, egoismus und intolleranz, verabscheuen, sich möglichst weit von diesem feindbild zu distanzieren. man fragt sich: sind mir die menschen in afrika egal? will ich mich ebenso wenig um die probleme der dritten welt kümmern wie dieses arschloch? denke ich eventuell genauso, will es nur nicht zugeben? all dies könnte zu einem umdenken in der gesellschaft führen, da provokation, reaktion hervorruft und so auf dieses thema aufmerksam macht. von der intesion unabhängig jedoch, lässt sich die hauptaussage dieses videos jedoch auf folgenden satz herrunterbrechen: „uns menschen in deutschland sind die menschen in afrika egal“. dies ist eine these, die wohl ebenso interessant und provokant wie wahr ist. wir könnten für die menschen in afrika viel mehr tun, bzw. überhaupt irgendetwas, und unsere falsche betroffenheit sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies der fall ist. Von deiner art dich zu artikulieren ausgehend, denke ich, dass du zu einer solchen reflektion fähig bist, und eigentlich mehr kanst, als wie hier, völlig plakativ, nur die eine seite der medallie zu beleuchten, ohne auf intension oder aussageabsicht einzugehen. 😉

  5. Pingback: Zeitgemäße Volksverhetzung: Freiheitsstrafe für Juliensblog | Julienswatchblog

  6. der Typ ist doch einfach nur bescheuert ! Er macht Themen, die sonst auch keinen interessieren, zu YouTube Videos, die dann einen Internet-Konflikt auslösen, und er kassiert die Kohle, durch die Werbung, die jedes mal gespielt wird, wenn jemand wieder auf einen Kommentar antwortet. Also wer den mag, der hat echt zu viel Zeit ! Guckt euch lieber mal „das ja ach so behinderte“ RTL an, da wird nicht so eine „Gehirnwäsche“ gezeigt, wie auf so manchen YouTube-Kanälen !

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