Juliensblog

Zeitgemäße Volksverhetzung: Freiheitsstrafe für Juliensblog

Juliensblog wurde nun zu einer „Freiheitsstrafe von 8 Monaten auf Bewährung mit einer Bewährungsfrist von 3 Jahren und 15.000 Euro Strafe“ verurteilt und findet sich damit in einem exklusiven ur-deutschen Kreis wieder, den er von Anfang an entsprochen hat. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Julien Sewering eine „Verharmlosung der unter der Herrschaft des Nationalsozialisten begangenen Verbrechen“ betrieben habe.

Es ist zu bedauern, dass die Strafe nicht höher ausfiel, denn immerhin beruht sein gesamtes Einkommen (Allein 2014 sollen es ca. 90 000 EUR gewesen sein) auf diversen regressiven Ausbrüchen. Zudem beruht dieses Einkommen auf der Aufmerksamkeit von hunderttausenden, leicht beeinflussbaren Heranwachsenden, die seine Thesen mit Genugtuung goutieren und reproduzieren. Negativ ist auch, dass er seinen Hauptkanal nicht einstellen muss, obwohl dieser weiterhin sexistische und menschenverachtende Hetzvideos enthält (mehr dazu am Ende dieses Beitrages).

Positiv zu bewerten ist, dass Julien sich in künftigen Videos zumindest während der Bewährungszeit bedeckt halten muss. Daraus lernen wird er wohl gar nichts. Wie sagte er selbst in einem Interview? „Ich werd wirklich wegen jedem Video konsequent angezeigt. Da passiert eigentlich nie was und das ist auch gut so, weil es gibt keine Grundlage dafür. Ich meine, wofür soll man mich denn jetzt anzeigen? Das ich n’.. Das ich n’…Das ich einen schönen Witz gemacht hab?

15 000 EUR ärmer, aber weiterhin treu-deutsch

Wie in der Vergangenheit beteuerte der deutsche Rächer des braunen Humors seine Unschuld, behauptete, er habe „keinen Bezug zur NS-Zeit“ und „seine Kunst inklusive ihrer rauen Sprache“ entspreche „dem Zeitgeist„. Ob letzteres in Zeiten von Pegida und AfD gerade für ihn spricht, sei dahin gestellt, Leser dieses Watchblogs wissen jedenfalls sehr genau, dass es bei ihm durchaus einige Hinweise auf Schnittmengen zu dieser menschenverachtenden Ideologie gibt.

„Es war witzig gemeint“, versucht Sewering sich kleinlaut herauszuwinden. „Es“ war das hier: „Vergasen sollte man diese Mistviecher. Wisst ihr noch wie die Juden nach Auschwitz transportiert wurden? Man sollte die Zugführer alle da hinbringen. Ich fahr auch den Zug und zwar umsonst. Und werde nicht einmal streiken.“ 

Wie kommentiert Julien diese Zeilen heute vor dem Amtsgericht Tecklenburg? „Ich habe noch krassere Sachen gemacht, nur ohne NS-Zeit. Dass man das in Deutschland nicht darf, habe ich nicht gewusst.“  Wirklich, Julien? „krassere Sachen“ als die Relativierung des Holocaust, den industriellen Massenmord an Millionen von Menschen,  genau in dem Land, in dem diese Shoa stattgefunden hat? Solche geschichtsvergessenen, ressentimentbeladenen Parolen können insbesondere im Gerichtssaal nur als absolute Ignoranz und Verhöhung gegenüber Recht und Gesetz gewertet werden.  Zugleich wiederholt er damit erneut seine Relativierungen gegenüber der Massenvernichtung an den Opfern der Shoa.

Sewering behauptet desweiteren, er hielte sich für Schwarznegger, Raab, Engelke in einer Person,  wenn er rechte Parolen für seinen Broterwerb brüllt. Dabei hat keiner der genannten je in einem Film die Vergasung von Lokführern gefordert. Offensichtlich ist ihm, dem tapferen Volkstribun, der Unterschied zwischen Fiktion und Realität komplett entgangen. NS-Filme wie „Rothschild„, die Goebbels z.B. produzieren lies, sind schliesslich auch  menschenverachtende NS-Propaganda, obwohl es sich dabei um eine Inszenierung mit Schauspielern und Drehbuch handelt.

Was ist mit den anderen Hetzbeiträgen?

Inwieweit verstößt Julien seine Bewährungsauflagen eigentlich bereits jetzt? So ist zum Beispiel noch ein Video mit über 1,5 Millionen Aufrufen online, in welchem Julien gegen ein behindertes Kind und dessen Mutter hetzt. Doch seine Vorliebe gegen die Schwächsten der Gesellschaft Hassreden zu schwingen ist damit noch längst nicht beendet. Auch ein menschenverachtender Betrag über ein Kind mit Down-Syndrom ist weiterhin mit fast 950 000 Klicks online. Bemerkenswert an beiden Beiträgen ist vorallem seine Tendenz mit Vorstellungen von Euthanasie zu kokettieren. Weiterhin bedient er sich einer vulgären Sprache, die sowohl homophobe, rassistische als auch sexistische Beschimpfungen („schwulen Hurensöhne„; „Julia, tu mir bitte einen Gefallen: Geh weg von der Tastatur damit kann man weder kochen noch putzen„; „der Schwanz vom Asiaten ist ein Reiskorn„; „Schwule haben Aids. Ganz viel Aids.„) als einzige, qualitative Grundlage haben.

Update: Mittlerweile berichteten auch Spiegel Online, SZ, Stern, BILD, Puls, Standard, Neues Deutschland, SWR3, NTV, HipHop.de, Meedia, Berliner Morgenpost, Berliner Kurier, DiePresse, Hannoversche Allgemeine, Wilhelmshavener Zeitung, Neue Osnabrücker Zeitung, Nordbayrischer Kurier, Kölner Stadtanzeiger, Bento, Watson, Laut.de, MOPO24, Playnation, Gipfelstürmer, PC-Welt, WAZ, Backspin, Winfuture, Digitalfernsehen, Blogrebellen, Broadmark, Mädchen.de, Tarnkappe, Poltec-Magazin, Lets-Plays.de, Hiphopholic, Sajonara, Kotzendes Einhorn, Virtualnights und Fashion Magazin von der Verurteilung. Reaktionen aus der Community können auch auf Twitter verfolgt werden.

Update 2: Böhmermann, Graphizzle Novizzle und Sookee haben spöttisch bis empört auf Julien Sewering reagiert. Letzterer betreibt weiterhin Realitätsverweigerung („Ich spiele die Rolle des Asozialen halt durchgehend. Das nennt sich Image wink emoticon Hätte mich wohl doch lieber vorher als Hitler verkleiden sollen… Shit happens“) und hält sich für einen großen Künstler, obwohl er noch nie eine ironisierende, gebrochene, ambivalente, reflektierte Pointe verwendet hat und seine Pointen immer zugunsten einer menschenverachtenden Ideologie affirmativ arbeiten. Es scheint, als ob Sewering selbst nicht weiß was Ironie ist. Aber wer weiß? Vielleicht ist er ja wirklich einer? Verkannte Künstler gab es dereinst bekanntlich viele.

Update 3: Julien Sewering hat gegen das Urteil offenbar Berufung eingelegt. Rechtsanwalt Solmecke hält die Verurteilung allerdings für „gerechtfertigt„.

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Ein Kommentar zu “Zeitgemäße Volksverhetzung: Freiheitsstrafe für Juliensblog

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