Juliensblog

Juliensblog Vaterfigur: Felix Blume aka „Kollegah“

Julien Sewering nannte ihn den „besten Deutschen Rapper“, deklarierte sich selbst als dessen „Fanboy“, einige halten ihn für den „erfolgreichsten Musiker Deutschlands“, er wird millionenfach im Monat angeklickt, natürlich ist die Rede von Felix Blume, der alles bietet, was einen autoritären Charakter auszeichnet: Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus, Antiamerikanismus, Sexismus, Homophobie, Kreationismus und Verherrlichung von Körper, Härte und Männlichkeit.

Auch wenn sich das Blatt womöglich wieder gewendet hat und Julien Sewering angesichts „Kollegahs“ Zusammenarbeit mit „Sun Diego“ befürchtete, letzterer („Schwuchtel„) würde ersteren mit seiner „Schwulheit anstecken“ („Mädchenmusik„; „Softiescheisse„),  kann Felix Blume als zentrale Inspirations- und Identifikationsfigur für Julien Sewering genannt werden, da er in alten Videos stets von ihm schwärmte. Auffällig ist, dass Felix Blume all seine Ressentiments ähnlich wie Julien Sewering als Kunst oder „Entertainment“ verklärt und verstanden wissen will, obwohl sie stets affirmativ vorgetragen werden.

Der Hass von Felix Blume auf die Juden – Antisemitismus im „Rapgame“

„Präsidenten sind nur Marionetten die wahren Leader ziehn‘ im Hintergrund die Fäden, wie Harvenspieler (…) Die Gewalt nimmt ihren Lauf unter dem zufriedenem Blick des allsehenden Auges NWO, Camouflage, Landstreckenraketen, eine mächtige Minderheit der Schandfleck des Planeten (…) Wir können ankämpfen dagegen, doch unsere Zeit ist wie ein Stückchen Eis (…)“ Dies sind Zeilen aus einem „Freetrack“ von Felix Blume namens „N.W.O.“ Dabei trägt Felix Blume ein T-Shirt mit der Aufschrift „Killuminati„, – was wohl nicht anders als ein Mordaufruf gedeutet werden kann. Wer da ermordet werden soll? Mit den Illuminati setzen Verschwörungstheoretiker regelmäßig die jüdische Rothschild-Familie gleich.

In einem Text auf Facebook spricht Felix Blume im kritischen Unterton von der „Geschichte der Rothschild-Dynastie“. In einem Gespräch mit HipHop.de, meint der 31-Jährige, „Das Zinssystem ist gefährlich„, „Ich bin auch für die Abschaffung des Zinssystems„, „Hängt einfach damit zusammen, dass die Federalreservebank einfach privatisiert wurde“ und: „Du kannst heute noch nicht mal das Wort ‚Jude‘ verwenden, ohne als Antisemit dargestellt zu werden. Noch nicht mal das Wort ‚Israel‘.“ Einen Moment! Das probieren wir mal aus: Jude! Jude! Israel! Israel! Jude! Israel! Hm! Irgendwie passiert nichts, merkwürdig. Scheinbar darf man es doch sagen! Ähnliches belegen über 63 400 Suchergebnisse bei Google, wenn man „Israelkritik“ eingibt.

„Du darfst nichts gegen die Politik eines Landes sagen, ohne, dass die Nazikeule geschlagen wird. Du darfst die deutsche Flagge nicht hochhalten, ohne, dass du direkt ein Nazi bist. Gesunder Patriotismus in diesem Land, der auch gute Auswirkungen haben kann für’s Selbstbewusstsein des Einzelnen.“ Positiv sind die Auswirkungen vorallem für die Kriegsführung, historisch kennt man das hierzulande als „Augusterlebnis„.

»Gesundes Nationalgefühl vom pathischen Nationalismus zu scheiden, ist so ideologisch wie der Glaube an die normale Meinung gegenüber der pathogenen; unaufhaltsam ist die Dynamik des angeblich gesunden Nationalgefühls zum überwertigen, weil die Unwahrheit in der Identifikation der Person mit dem irrationalen Zusammenhang von Natur und Gesellschaft wurzelt, in dem die Person zufällig sich findet.« (Theodor W. Adorno, Gesammelte Werke Band 10/1, S. 589)

Mittlerweile regelrecht in Rage geraten, fügt er im selben Gespräch noch an: „Wir sind alle Menschen. Und wenn wir alle mal checken, dass wir als Volk unter der Bedrohung stehen, von Machthabern, die uns quasi wirklich radikal versklaven wollen, die uns als Nutzvieh sehen, dann sollte das eigentlich genügen, um gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen und uns das nicht gefallen zu lassen.“ Wer die Machthaber sind, hat er im Song „N.W.O.“ klar gestellt und wie er sich den Widerstand hier vorstellt, legt er auch mit der Bejubelung des folgenden Songs nahe:

Die oben getätigten Äußerungen von „Kollegah“ kamen, weil er einen politischen Song namens „Contraband“ von „Fard & Snaga“  mit mittlerweile über 1 Millionen Aufrufen verteidigte. Darin heisst es, während diverse Menschen im Video Schusswaffen hochhalten:

„Pro Mudschaheddin, pro Palestine“
„Kontra Netanjahu, kontra Bush, Blair, Sarkozy“
„Das hier ist junge Wut gegen Politik aus Tel Aviv!“
„Kontra Peace, kontra Tel Aviv“
„Kollektiv, kontra Bilderberger, Volksverräter, Hintermänner“
„Kontra Zins, kontra Schuld, kontra Geduld“

Er verteidigt also einen Song, der Israel, USA und „Parasit“ in einem Atemzug nennt, meint es wäre ein „berechtigter Kritikansatz“. In dieser Verteidigung schwingt nicht nur Antisemitismus aus dem Nationalsozialismus mit, denn bereits Hitler diffamierte Juden als „Parasiten“, sondern ebenso Antiamerikanismus, – da zugleich die USA für das Übel in aller Welt verantwortlich gemacht werden. Obendrein ist die „Zinskritik“ im Verbund zur „FED“ nicht nur im Verschwörungsmilleu  um die „Wahnmachen“ der Gegenwart bekannt, sondern auch beim NSDAPler Gottfried Feder.

Illuminati wollen mein‘ Körper, Geist und meine Seele
Doch ich hab‘ beide Augen offen, wenn ich Scheine zähle“

Antisemitismus kann also bei Felix Blume sowohl in seiner Privatperson als auch seiner Kunstfigur nachgewiesen werden und scheint elementarer Teil seines Weltbildes zu sein. Blume geht hier einer Autoritätsidee nach: Die Juden erscheinen als Bedrohung, als Usurpatoren der Macht. Dem Antisemitismus wohnt eine Vernichtungsideologie inne und nimmt hier daher die wichtigste Rolle in der Kritik an der Person Felix Blume ein. Man kann hier von einer Projektvität ausgehen, d.h. es handelt sich um eine Disposition, an wüste und gefährliche Vorgänge in der Welt zu glauben; es ist die Projektion unbewusster Triebimpulse in die Außenwelt unter völliger Verkennung tatsächlicher, realer Umstände. Denn natürlich beherrschen nicht die Juden die Welt, sind die Juden nicht „unser Unglück„, schliesslich leben wir in einem depersonalisierten, abstrakten Herrschaftsverhältnis dessen Totalität Marx oder Adorno eindrucksvoll beschrieben haben.

Felix hat Angst um seine Männlichkeit – Teil 1 – Härte & Körperkult im „Rapgame“

„Adern wie Kupferdraht, ich pump die Kilos bis das ganze Gym
Bei meiner kruppstahlharten Brust mit der Zunge schnalzen muss“
„Du bist nur ’n Lappen der stets stoned ist wie Towelie in South Park“
„Es ist Zeit aufzustehen, Zeit, es anzugehen
Deinen Mann zu stehen und endlich den Fight aufzunehmen“
„Und zerreise die Stille, alles was du brauchst ist eiserner Wille“
Es ist Leistung, was zählt, du hast gerade erst angefangen“

Neoliberalistisch und faschistoid muten diese Zeilen im Song „Bosstransformation“ an. Es ist eine Absage an den Selbstwert von Leben an sich. Das Leben muss verdient werden, muss veredelt werden, um überhaupt nützlich zu sein und so mündet gemäß dieser Ideologie, die ganze „Transformation“ in ein Plädoyer für eine menschenverachtende Leistungs- und Konkurrenzideologie, die keinen Raum für Schwäche, Müßiggang, Faulheit kennt. Ähnlich heisst es dann auch in einer anderen Publikation („Kollegahs BOSSTRANSFORMATION“) in der der permanente Wettstreit glorifiziert wird: „Disziplin“; „Harte Arbeit“; „Perfekte Ausführung bis ins letzte Detail“. In „Du bist der Boss“ heisst es:  „Du bist Boss, wenn du Gefühle kontrollierst, deine Physis modellierst (…) Dich weiterbildest um die Psyche zu trainieren (…)“.

Hier lassen sich sowohl Elemente von Kraftmeierei sowie Anti-Intrazeption finden. Ersteres besticht durch ein Denken in Dimensionen wie Herrschaft und Unterwerfung, stark und schwach, Führer und Gefolgschaft, Identifizierung mit Machtgestaltung, Überbetonung der konventionalisierten Attribute des Ich oder eben übertriebene Zurschaustellung von Stärke und Robustheit. Zweiteres besticht durch die Abwehr des Schwachen, Subjektiven, des Phantasievollen und Sensiblen. Im Faschismus sind diese Elemente neben dem Führerkult u.a. auch als Euthanasie bekannt. Seine gewaltbereite Feindschaft gegenüber Behinderten verdeutlicht Blume u.a. hier:

„nur um zu zeigen was fürn spasti du bist
schlag ich desinteressiert ein auf dein spastigesicht
und zermatsch dein kopf mit dem kalashnikovgriff
bis die flüssige gehirnmasse im asphalt zerrinnt
ich bin zu dir mit absicht nicht tolerant
denn du bist ein dahergelaufener spasti wie forrest gump“

Felix hat Angst um seine Männlichkeit – Teil 2 – Sexismus im „Rapgame“

Ich bau Aggressionen ab durch Vergewaltigungen von Bordsteinschlampen“
„Ich sag zu der muttergefickten Schlampe: ‚Sperr mal den Mund auf‘ und füll ihr mit Sperma den Mund auf.“
„Ich hab bei Frauen die Auswahl
„bleibe Boss und man munkelt, Bitch, dass ich unterm Strich
circa alle 14 Tage deine Mutter fick
Schlampe
„Ey, ich mach Pussies kaputt
„Wir füll’n deine Bitch mit dem russischen Nationalgetränk ab
Bangen sie zu siebt und hängen dann im Casino“
„Ok, Showtime, Bitch! Ich prügel im Mondscheinlicht
solang auf dich Sohn einer Bitch ein, bis der Tod eintritt.“
„Ich schiebe meinen dick in deine bitch und gebe keinen fick auf Mutterficker“

Sexismus und Misogynie nehmen einen derart zentralen Bestandteil in Felix Blumes Schaffen ein, dass die obigen Zitate hier lediglich exemplarisch fungieren sollen.

Die niedrigere Entlohnung von Frauen, die Geringschätzung einer Meinung zum Weltgeschehen, wenn sie von einer Frauen kommt, die hohen Gewalt- und Straftaten gegen Frauen, die unbezahlte Reproduktions- oder Carearbeit bzw. das patriarchale Formprinzip der gesellschaftlichen Totalität sprechen eine deutliche Sprache: Frauenhass ist weiterhin wesentlicher Bestandteil unseres Alltags. Regelmäßig stürzt sich Felix Blume mit großer Gewissheit bzgl. der Opferrolle der Weiblichkeit, um sie innerhalb seiner wahnhaften Kunstwelt und „Zuhältertapes“ zu Geld zu machen indem er eine Hasstirade nach der anderen entlädt.

Felix hat Angst um seine Männlichkeit – Teil 3- Homophobie im „Rapgame“

Im „Outro“ auf dem Album „Kollegah“ textet Blume: „Und ist ein Traum von einem Mann, ey du Schwuchtel (…) Wachst nachts auf mit steifem Schwanz, nach einem Traum von einem Mann (…) Es ist der homophobe King im Biz, der Modedrogen an Gesindel tickt.“

„Du im Strichermodus
„Ey, ich schlage hobbymäßig mit nem Stock schwule Rapper“
„Sie wollen mein Rap indizieren, denn er sei randgruppenfeinlich?
Weil er gegen Schwule hetzt und Frauen als Schlampen beleidigt?/
Zieh am Blunt, gebe kein Fick “
„die Kritiker meinen, die Lyrics sind monoton, sexistisch und homophob, ist ok, ihr habt ja zu wenig y-chromosom, (bitches),“

Auf den Vorwurf der Homophobie gibt sich Blume unschuldig: „Klar, wenn man sich ein Wort wie Schwuchtel rauspickt, kann man sagen: Der Kolle macht schwulenfeindliche Texte. Man muss aber wissen: Im Hiphop ist Schwuchtel nur ein ganz normales Schimpfwort, das hat mit Homophobie nichts zu tun.“ Merke: Wer „Schwuchtel“ als „normales Schimpfwort“ benutzt ist nicht homophob.

Wenn es nicht  „bierernst gemeint“ ist, warum findet es dann durchgehend als „diffamierender Ausdruck“ Verwendung? Offensichtlich wird die Beschimpfung unter dem Deckmantel der scheinbar ironisierten Musik letztlich doch affirmativ behandelt und empfunden. Blumes übertriebene Beschäftigung mit sexuellen Vorgängen oder Umständen bezeugt seine Unsicherheit. Die Männlichkeit fühlt sich u.a. durch den Feminismus in der Krise, fühlt sich bedroht durch die unverhoffte Konkurrenz und muss sich nun darüber definieren die Weiblichkeit niederzudrücken in welcher Form sie auch immer erscheinen mag.

Felix ist stolzer, deutschnationaler Patriot – Nationalismus im „Rapgame“ – Deutschrap als Weltsouverän

„Wir sollten einfach stolzer sein. Nicht nur auf unsere Rap-Szene, sondern auch auf unser Land. Ich bin für mehr Patriotismus,“ meint Blume in einem Interview mit der Juice. Im gleichen Interview gibt er seine Ressentiments gegen die USA preis, als Juice fragt: „Was wäre denn eine Kategorie, in der Deutschrap amerikanischen Rap aussticht?“ Felix Blume: „In allem. Die Amis haben uns nur in Sachen Delivery etwas voraus. Die wissen sich zu inszenieren, sind cooler, bringen es anders rüber. In Deutschland sind die meisten leider zu verkrampft. Wenn sich deutsche Rapper lockerer machen würden, wären wir raptechnisch die Nummer 1 weltweit. Wenn Deutsch jetzt noch die Weltsprache wäre, wären wir allesamt Rap-Millionäre.“ Deutschland entkrampf dich mal, werde endlich stolzer und Weltsouverän, damit die Welt an dessen Wesen genese! Zwei Weltkriege sind offensichtlich nicht genug gewesen.

Endlösung der Rapperfrage, Hundesohn Schweig!“

Aber Blume ist damit noch nicht fertig: „Dabei können diese Amis aber größtenteils gar nicht anders rappen. Würden die uns verstehen, würden sie sich an uns orientieren. Deutsche Rapper gestehen sich nicht ein, auf was für einem Niveau wir hier eigentlich rappen. Mit der deutschen Sprache kann man wesentlich mehr anstellen als mit der französischen oder der englischen. Die Lyrics in Deutschland sind Weltklasse.“ Amerika soll sich also an den „weltklasse“ Lyrics Deutschlands orientieren. Meint er damit seinen antisemitischen „N.W.O.-Freetrack“ oder den homophoben, sexistischen „Arschficksong“ von „Sido“?

Im Song „Du bist der Boss“, tönt er: „Wenn du allein als Deutscher kämpfst gegen fünf Türken aus dem Block (…) Weil du Stolz und Ehre hast und keinen fürchtest außer Gott.“ Der Wahlspruch der Wehrmacht hies früher „Gott mit uns“, während er bei der SS „Meine Ehre heisst Treue“ lautete. Zugleich könnte diese Zeile als ein Plädoyer für einen Kampf der Völker und Kulturen betrachtet werden, – zumindest ist es die Bejahung des atomisierten Konkurrenzkampfes indem sich das Subjekt durch Härte zu behaupten hat.

Im bereits erwähnten Gespräch mit HipHop.de meint Blume folgendes: „Warum ist es denn so, dass die ganzen Migranten, die hier hin kommen, machen können was sie wollen, – mit den Deutschen? Weil, die Deutschen sich nicht zusammenschliessen, weil die nicht zusammenhalten, weil es kein Zusammengehörigkeitsgefühl gibt.“ Keine Sorge Felix, es gibt bereits Versuche in dieser Richtung, die vielleicht ganz in Deinem Sinne sind. Erstaunlich ist hier dessen Wunsch sich einem einem künstlichen Zwangszusammenhang zu unterwerfen, der obendrein auf der Zufälligkeit des Geburtsortes beruht, und hierbei direkt den Gegenschlag gegenüber anderen Insassen dieser Irrationalität vorbereitet. Nationalismus wird hier also in seiner Substanz erkannt und praktiziert, denn er bedeutet per definitionem Exklusion, Rassismus und Krieg. Hierüber legt Felix Blume dann seinen Akzent auf Respekt und Gehorsam vor der Nation und dem zugehörigen Staat.

Und weiter meint Blume: „Nichtsdestotrotz hat auch der 0815-Volksvertreter seine Alltagsprobleme und die sind nunmal heutzutage auch oft so, dass der deutsche Schüler auf einer Schule, wo der Ausländeranteil 80 Prozent ist, gemobbt wird, geopfert wird, geschlagen wird. Und da wäre zum Beispiel ein gewisser Patriotismus gar nicht schlecht. Auf deutscher Seite!“ In der Tat: Jeder kennt die alltäglichen Meldungen von migrantischen Ritualmorden deren Opfer regelmäßig arme, deutsche Schüler sind. Aber was Felix Blume hier eindeutig vergisst, ist diese Tatsache hier:

Felix Blume projiziert aufgrund seiner eigenen Identifikation mit äußeren Mächten, wie dem deutschen Nationalstaat, die ’schlechten‘ Seiten dieser Machtfiguren, z.B. ihre  Unfairness, ihr Eigennutz und ihre Herrschsucht, auf ein Objekt, an dem er sich schadlos halten kann. Die eigene Bezugsgruppe wird dabei positiv gesetzt, obwohl sie nach den gleiche Kriterien funktioniert wie die fremde Gruppe. Das ist ein klassischer Verdrängungs- und Verleugnungsprozess, der obendrein mit der Furcht vor Bestrafung durch die Autorität, der man sich unterworfen hat, einher geht.

Psychoanalytisch gesprochen: Um die Internalisierung des gesellschaftlichen Zwanges zu erreichen, die dem Individuum stets mehr abverlangt als es ihm gibt, nimmt dessen Haltung gegenüber der Autorität und ihrer psychoogischen Instanz, dem Über-ich, einen irrationalen Zug an. Das Individuum kann die eigene soziale Anpassung nur vollbringen, wenn es an Gehorsam und Unterordnung Gefallen findet; die sadomasochistische Triebstruktur ist daher beides: Bedingung und Resultat gesellschaftlicher Anpassung.

Nationalismus ist nichts weiter als kollektiver Narzismus, der auf Angst- und Ohnmachtserfahrungen fundiert und stellt letztlich nichts weiter als eine Realfiktion oder ein modernes Märchen dar, – was letztlich in Katastrophen münden muss. Wer sich dem unterwirft, überlässt dem Zufall die Kontrolle über sein Leben.

Felix hat Angst vor der Evolution – Rationalisierung von christlichen Fundamentalismus im „Rapgame“

Voller asketischen Dogmatismus hat „Kollegah“ bereits für militärische Disziplin bei der Selbstkaseiung des eigenen Körpers eine Orgie der Machinisierung betrieben. Doch damit ist die Irrationalität nicht beendet:  Blume bildet in dem Format „Letzte Runde“ ein mythisches Narrativ voller Aberglaube und Ressentiments gegen die Aufklärung aus, unternimmt den Versuch fiktive, religiöse Inhalte zu rationalisieren und über beweiskräftige Wissenschaft zu stellen. Hierbei versteigt er sich zur These, dass die Evolutionstheorie nach Darwin „bis zu einem gewissen Grade“ abzulehnen sei.

„Evolution, bis zu einem gewissen Grade, ist auf jeden Fall Fakt! Allerdings: Da sind soviele Lücken! Ob das überhaupt so ist, dass wir vom Affen abstammen, – das wage ich mal stark zu bezweifeln. Denn alle Übergangsmischgeschöpfe, -skelette gibts gar nicht! Es gibt keine Skelettfunde, die eindeutig zeigen: Hier Schimpanse, dann nicht mehr ganz, nicht mehr ganz, nicht mehr ganz..“ Und: „Wir wurden erschaffen. Das glaube ich! Ich bin ein gläubiger Mensch. Und wenn Du es bis auf den Urknall zurückverfolgst: Ich mein, dann wären wir ja quasi aus einer Explosion von Sternenstaub, wär eine intelligente Spezies entstanden, nur durch Zufall! Durch das Zufallsprinzip! Und das Zufallsprinzip ist nunmal nicht das Prinzip, was das Universum regiert, sondern die physikalischen Gesetze. Und aus Chaos entsteht niemals Ordnung über die Zeit.“

Das ist blanker Kreationismus. Ihm geht es hier um den Glauben an die mystische Bestimmung des eigenen Schickals, ihm ist die Unabhängigkeit der Natur unheimlich, zugleich verzichtet er auf ein Urteil, wenn er die Wissenschaft hinter der Evolutionstheorie ablehnt, was charakteristisch für die Mentalität der Anhänger faschistischer Bewegungen ist. Sie akzeptieren eine Ideologie, nicht weil sie sie verstehen oder weil sie an ihren Inhalt glauben, sondern wegen ihrer unmittelbaren Brauchbarkeit oder aufgrund willkürlicher Beschlüsse. Zugleich hat er nie begriffen wie Mutation und Selektion in der Biologie zusammenhängen, obwohl es an allen staatlichen Schulen gelehrt wird.

Wahrscheinlich stammen seine Thesen noch von Harun Yahya dessen Buch er vor vielen Jahren aus dem Englischen übersetzt hat. Yahya hat u.a. folgendes geschrieben: „Das Nazi-Zionisten-Bündnis wurde mit der Absicht gebildet, die deutschen Juden aus Deutschland nach Palästina zu übersiedeln, nicht um diese Menschen massenhaft zu vernichten. (…) Der angebliche ‚Judengenozid‘ im Zweiten Weltkrieg ist nichts anderes als eine Übertreibung einiger kriegsbedingter Verluste. Mit anderen Worten hat ein ‚Judengenozid‘ zu keiner Zeit stattgefunden.“ Touché!

Fazit:

Blume tritt bewusst oder bewusstlos für die „negative Aufhebung“ der kapitalistischen Gesellschaft ein. Er kann als Vertreter nationalistischer, antisemitischer, völkischer, antifeministischer, homophober, islamistischer Ideen und eines ressentimentbeladenen, konformistischen Antikapitalismus interpretiert werden, der sich ohnmächtig der „instrumentellen Vernunft“ ergibt und nach deren Logik funktioniert.  Niemand ist vor seinem herrischen Gestus sicher: Frauen, Faule, Behinderte, Schwule, Natur, Wissenschaft. Alle haben sich „dem Boss“ zu unterwerfen.

In hohem Maß wird die Diffamierung des Menschlichen in destruktiver und zynischer Weise betrieben, die zwar scheinbar ironisiert vorgetragen wird, aber eigentlich eine Rationalisierung von Ressentiments darstellt, – schliesslich kommt es nirgends zur Kritik daran und funktioniert nur als affektive Affirmation. Die Anfälligkeit für den Faschismus ist hier enorm gegeben. Er ist ein Vertreter des sturen, bewussten und manipulativen Irrationalismus. Ihn zeichnen Unwissenheit, Konfusion und Stereotypie aus, – womit Live-Auftritten bei Pegida, AfD oder FPÖ nichts im Wege steht.

So wie Julien Sewering mit seinen Videos seinen Fans und Zuschauern suggeriert, es sei in Ordnung Ressentiments zu schüren, zu verbreiten, zu formulieren und damit sein Geld zu verdienen, hat es Kollegah schon viele Jahre vor ihm gehalten und maßgeblich dazu beigetragen, dass soetwas wie „Juliensblog“ überhaupt existiert bzw. existieren kann. Bereits mit der Publikation von Blumes erstem Album, mit dem tendenziösen Namen „Alphagene“, meinte er in einem Mzee.com-Interview, er wolle „vor allem der perspektivlosen Jugend etwas zum Festhalten, zum daran Orientieren“ geben, bleibt zu hoffen, dass die Jugend dies anders sieht, ihn für das zurückweist und kritisiert was er ist: Eine autoritäre Persönlichkeit.

Update 29.11.16 – Felix Blume mimt mit unzähligen antisemitischen Parolen in einem ca. 77 minütigen Video den Jürgen Todenhöfer des Deutschraps:

Update 30.09.17 – Felix Blume wettert auf Instagram gegen das „Geldsystem“ und den „Zinseszins“, welches bzw. welcher das „Wurzel allen Übels“ sei, fordert ein „neues Geldsystem“ und empfiehlt Dirk Müller zu lesen, der u.a. bei der rechtsextremen Zeitschrift Compact Artikel („Narrenschiff Europa und Kurs auf Iran-Krieg.“ In: Compact, 12/2011) publiziert hat, auf den Spuren Silvo Gesells wandelt und sogar von Spiegel Online kritisch beäugt wird:

Advertisements

5 Kommentare zu “Juliensblog Vaterfigur: Felix Blume aka „Kollegah“

  1. Der Begriff Killuminati stammt von Tupac und wurde damals für eins seiner Albentitel verwendet. Oft wird geglaubt, Tupac habe sich damit gegen eine Illuminaten-Verschwörung gerichtet (von denen er auch dann umgebracht worden ist). Tatsächlich erklärte er seine Hintergründe in einem Interview:

    „Thats why i put the k to it, because the niggas is telling me about this illuminati shit while i was in jail.
    Like the diamonds and all that.
    Thats another way to keep your self esteem low, THAT ANOTHER WAY TO KEEP YOU UNCONFIDENT.
    And I’m putting the K because I’m killing that Illuminati shit!“

    Tupac widmete sich Lebzeitens immer dem Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung von Schwarzen. In Verschwörungstheorien sah er ein Mittel, wie sich Unterdrückte von den wirklichen Problemen – dem Rassismus – ablenken lassen und die Ursachen verschieben. Nicht die Rassist_innen sind dann das Problem, sondern die Illuminaten..

    Das ist btw. Ein weiterer Punkt auf dem bei Julien eingegangen sollte. Den einzigen amerikanischen Rapper dem er sich bisher gewidmet hat war der Rapper Eminem. Auch da spricht er indirekt das aus, was eh alle wissen: „Rap is like a mountain. Black on the bottom, but white on the top.“ (Dieser Spruch und ähnliche finden sich zahlreich in sozialen Netzwerken).

    Für Julien wie Kollegah hat Rap nichts mit Politik zu tun. Was eher zählt sind rational bestimmbare Qualitäten wie Technik und Geschwindigkeit (Doubletime z.B.). Konsequent werden Elemente die Hip-Hop mit der Black Culture verbinden ignoriert (Social Consciousness, Samplen von ebenfalls von Diskriminierung betroffenen Soul-, Funk-, Disco- und Jazzinterpreten uvm.).

    Kollegah hält sich wohl für einen würdigen Nachfolgers Tupacs. Wie eine wirkliche Nachfolge aussieht hat Kendrick Lamar mit To Pimp A Butterfly gezeigt. Letzteres hat Julien wohl noch nie gehört, während er Kollegahs Track bestimmt schon hundertmal im Fitnessstudio gepumpt hat.

  2. Alter Vadder.. so viel absurden, völlig aus dem Zusammenhang gerissenen , übermässigen , irrationalen ( hier könnten noch soviele Adjektive dieser Art stehen..) auf einer Internetseite habe ich wirklich noch nie , nie , niemals & nirgendwo gelesen, wirklich!
    99,8 % deiner Argumente sind völlig aus der Luft gegriffen, ohne Kontext wiedergeben und somit absolut fehlgedeutet. Ich würde dir auch raten , ein paar der Dinge vielleicht nochmal zu überdenken, denn dadurch dass du sowas unverhohlen öffentlich ins World Wide Web stellst& dich größtenteils wirklich ‚ketzerisch‘ & unfundiert äußerst, könnte man diese Seite fast schon wegen Verleumdung, Rufmord etc. zur Rechenschaft ziehen.
    Jemanden einfach so einen Antisemit zu schimpfen ist genauso schlimm wie einfach zu behaupten, jemand sei ein Kinderschänder oder Ähnliches. Und das ist ja genau das , was Kollegah (wie du auch selbst es im Artikel bestätigt hast) auch gesagt hat. Sobald jemand was sagt kommt irgendein Wichtigtuer daher und schwingt die Nazi Keule..furchtbar. Wenn jemand die Rothschilds an sich kritisiert, heißt das nicht dass ich eine ganze Religion verurteile. Genauso wäre Ich nicht muslimenfeindlich, nur weil ich mich negativ zur ISIS äußere… da musst du wirklich mit deinen Thesen und Aussagen ein bisschen Vorsicht walten lassen.
    Der Vorwurf , Kollegah habe etwas gegen Behinderte , Schwule usw. ist in deiner Ausführung ebenfalls sehr schwach argumentiert und keinesfalls so stehen zu lassen. Jemanden ‚Spasti‘ oder ‚Schwuchtel‘ zu nennen hat heutzutage nicht zwindend etwas mit Minoritätenunterdrückung zu tun , sondern es gehört heute (leider) zum alltäglichen Jugendsprachgebrauch und ist eher wie ein ‚Arschloch‘,’Dummkopf‘ , ‚blöde Sau‘ (hätte natürlich auch deutlich aggressive Wortwahl wählen können, möchte aber natürlich nicht, dass du da auf deinem Hocker entgültig den Glauben verlierst ;*) zu betrachten. Erst Recht im Rapjargon ist ein solcher Sprachgebrauch Usus. Das kann einem gefallen oder nicht, Ihm deshalb ideologische Vorwürfe als Mensch zu machen halte ich für 220% überzogen. Generell ist sowieso bei deiner Betrachtung zu sagen, dass du ganz klar differenzieren musst zwischen der Kunstfigur des Raps Kollegah & den Privatmensch Felix Antoine Blume. Denn jedes Interview, Lied , Youtube Video ,etc was du dir anhörst/ ansiehst ist , ob u es wahr haben willst oder nicht,von der Kunstfigur Kollegah. Da Ich mal stark davon ausgehe ,dass du noch nicht einmal persönlich mit Felix Blume gesprochen hast, steht dir hier meiner Meinung nach absolut kein Urteil über Ihn zu.
    Bleibt am Ende eigentlich nur noch eine Frage.. Warum machst du dir denn eigentlich diese ganze Mühe einer solchen möchtegernschlauwirkenden Hetzrede gegen Kollegah/Felix Blume ?! Kollegah Affinität? Hass gegen dich selbst? Neid ? Missgunst? Oder einfach das Bedürfnis ein tagesaktuellen deutschen Prominenten in typisch deutscher Manier tot zu nörgeln? Vielleicht der Liebesenzug durch deine Mutter?
    Man wird es wohl nie herausfinden und das ist auch nicht nötig, da du wahrscheinlich, wenn der PC ausgeht und auch das letzte Windows- Viertel schwarz geworden ist, nur ein kleines , unbedeutendes, frustriertes, zu bemitleidendes Geschöpf bist.
    Zum Schluss nur ein letzter Tip.. siehe zu dass du deine Hoden entklemmst, hör auf dir mit beiden Fingern die Nippel zu umkreisen , trink‘ deinen Biosmoothie aus und genieß‘ mal das Leben.. es bietet nämlich mehr als nichtsbedeutende Personenhetze! :*
    Peace out,
    Euer RR Cool Jay (Y)

  3. Mein Comment wird nicht gepostet.. das nenn ich Meinungsfreiheit & guten, aufrichtigen Journalismus!
    RR Cool Jay

    • Dein strunzdämliches Gestammel wurde doch gepostet, also was flennst du kleine Pussy hier rum?
      Und wieso müsst ihr Möchtgern-Rapper euch eigentlich immer so saudoofe Namen geben?
      RR Cool Jay LOL, klingt für mich nach noch ’nem Dödel mit Baseballcap.

  4. Pingback: Dorian der Ottonormalvergaser | Julienswatchblog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s